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Erlebnisbericht | Lotte erlebt Europa

Lotte Hahn von der Max-Planck-Schule Groß-Umstadt in Hessen hat mit einer Textarbeit die Auszeichnung „Beste Arbeit Text der Aufgabe“ gewonnen. Sie hat einen fundiert recherchierten Redebeitrag über Gewalt gegen und Diskriminierung von Frauen und Mädchen weltweit geschrieben. Ausgezeichnet wurde sie mit der Teilnahme an einem internationalen Jugendseminar in der Europäischen Akademie Otzenhausen (Saarland) – lest selbst, wie es ihr gefallen hat:

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Foto: Lotte Hahn

„Völlig überraschend teilte mir eine meiner Mitschülerinnen am Ende einer stressigen Schulwoche mit, dass ich eine der Gewinner unserer Schule beim 63. Europäischen Wettbewerb war. Als ich ohne große Erwartungen auf die Website ging und sah, dass ich eine „Preisträgerbegegnung“ gewonnen hatte, war ich völlig überrascht, freute mich aber auf diese Woche. Als ich dann den Ablauf des Seminares sah, hatte ich Bedenken, dass es wie eine Woche Schule mit der Seminarsprache Englisch werden würde.

Als ich nun am Samstag die Akademie erreichte, war ich mit einer kleinen Gruppe von anderen Deutschen mit eine der Ersten. Ich bezog mit zwei anderen deutschen Mädchen das Zimmer, welches groß, mit Bad und Fernseher war. Die anderen verspäteten sich durch gestrichene Flüge oder Unwetter. So sahen wir die anderen Teilnehmer erstmals beim Abendessen. Dort beäugten wir einander neugierig und versuchten zu erkennen, wer aus welchem Land kam. Später trafen wir uns im Seminarraum, stellten uns vor und spielten zudem noch Kennlernspiele. Dadurch erfuhr ich, dass neben dem Deutschen Teilnehmern auch Teilnehmer aus Griechenland, Polen, Kroatien und der Slowakei stammten.

Am nächsten Tag erhielten wir nach einem reichhaltigen Frühstück eine kurze Übersicht über das bevorstehende Programm und hatten ein Seminar über allgemeine Vorurteile. Am Nachmittag mussten wir nach Beenden des Workshops alle den Raum verlassen. Keiner wusste aber warum. Wir wurden draußen in internationale Gruppen eingeteilt. Als wir wieder in den Raum durften, war alles dunkel, an den Projektionsflächen sahen wir zerstörte Häuser und traurige Musik lief. Jede Gruppe bildete einen eigenen Staat und musste ihn wieder aufbauen. Dies ging aber nur, indem man mit den eigenen, vorhandenen Rohstoffen handelte. Man begann sich um seinen eigenen Vorteil zu kümmern und den lukrativsten Handel einzugehen. Als alle ihren Staaten aufgebaut hatten, war es schon Zeit zum Abendessen. Dieses Spiel hatte alle ein bisschen mehr zusammengeschweißt, da man sich nun mit den anderen verständigen musste. Wir wurden zudem ermahnt, dass nur als Spiel zu betrachten und den anderen nichts übelnehmen. Nach dem Abendessen gab es einen Vorstellungsabend der Herkunftsländer, bei dem landestypische Tänze aufgeführt, landestypische Speisen gegessen oder Präsentationen gehalten wurden.

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Foto: Lotte Hahn

In den nächsten Tagen hatten wir eine QR-Rallye, wieder in internationalen Gruppen, die uns durch das ganze Gelände der Akademie führte. Außerdem unternahmen wir eine Tagesexkursion nach Straßburg, bei der wir sehr früh aufstehen mussten. Wir besuchten zuerst das Europaparlament, in dem wir eine englischsprachige Führung erhielten, dann hatten wir freie Zeit um uns Straßburg anzusehen. Anschließend besuchten wir den Europarat (Council of Europe). Dort gab es nach einem kurzen Einleitungsfilm eine lange Diskussion über die Türkei, Griechenland, etc.

hahn-2In den folgenden Tagen hatten wir weitere Workshops zu verschiedenen Themen, wie der Flüchtlingskrise, Jugendarbeitslosigkeit, Rechtsradikalen etc. in Europa. An einem dieser Tage hatten wir zudem einen sehr interessanten Workshop, das „theatre of the oppressed“. Um uns aufzulockern, hatten wir verschiedene Übungen, um mit unserer Körpersprache Dinge, wie zum Beispiel Superhelden, darzustellen. Danach stellten wir in Kleingruppen Begriffe dar, mussten zusammen verschiedene Themen und ihre Gegensätze darstellen, und zu guter Letzt auch noch ein kleines Rollenspiel machen. Die Themen waren Rassismus und Mobbing. Teilweise war es beim Proben schwer ernsthaft zu bleiben, weil man sich nun mal jetzt unter Freunden fand und vieles lustig war. Wir konnten uns nun in unsere Rollen reinversetzen.

Am Donnerstag fuhren wir nach Schengen und Luxemburg. In Schengen konnten wir leider nur eine kurze Führung erhalten, da im letzten Jahr das Dach des Museums eingestürzt war. Zudem gravierten wir ein Schloss mit unseren Herkunftsländern und hängten es an einer Stehle, die  dafür vorgesehenen war. In Luxemburg durften wir eine Stadt-Rallye mit lustigen Aufgaben machen und hatten viel Freizeit zu bummeln.

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Foto: Lotte Hahn

Am letzten Tag erarbeiteten wir in verschiedenen Gruppen bestimmte Themen, wie die Flüchtlingskrise, Erziehung in europäischen Ländern, Terror, etc. Dies durften wir mithilfe von Plakaten, Collagen, kurzen Filmchen und ähnlichem darstellen. Nach Fertigstellung zeigten wir unsere Arbeiten auch den anderen Teilnehmern. Im Anschluss sollten wir die letzte Woche und unsere Teamer bewerten. Zum Abschluss erhielt jeder eine Teilnehmerurkunde. Natürlich hatten wir noch eine l a n g e Abschlussfeier, die bis weit nach Mitternacht ging. Wir „bewerten“ die anderen  aus der Gruppe, indem wir eine Wand mit Zetteln beklebten, auf die jeder seinen Namen schrieb und die anderen jeweils eine Botschaft.

Am Samstag standen die meisten sehr früh auf, da sie mit dem Flieger nach Hause flogen. Wir verabschiedeten uns mit vielen Umarmungen. Alle waren traurig, da wir uns wahrscheinlich nie wieder sehen werden, aber alle die Gruppe ins Herz geschlossen hatten.

Alles in allem war diese Woche die beste Woche meiner Sommerferien in diesem Jahr. Ich habe neue Leute kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und deren Kulturen kennengelernt. Wir waren eine eng geschlossene Gruppe, in der sich alle verstanden. Auch die Teamer waren Teil unserer Gruppe und nicht wie Lehrer, was eine meiner Befürchtungen war. Obwohl alle anfangs sich schwer taten Englisch zu sprechen, fiel es im Laufe der Woche immer einfacher zwischen der eigenen Sprache und Englisch hin und her zu wechseln. Auch wenn ich die ganze Gruppe nur eine Woche lang kennenlernen konnte, fehlen sie mir jetzt, eine Woche später immer noch. Die Begegnung war eine einmalige Erfahrung, die mich offener gegenüber anderen Ländern und Kulturen gemacht hat, mir neue Meinungen und Standpunkte gezeigt hat, und die ich nicht vergessen werde.“

Lotte hat die Reise für uns in Fotos dokumentiert.

Hier beschreibt Lotte ihren Wettbewerbsbeitrag, für den sie die Reise gewonnen hat.

 

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