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Erlebnisbericht | von der internationalen Jugendbegegnung Bad Marienberg 2016


Unsere Mitarbeiterin Sophie Reiß war zu Gast bei dem internationalen Jugendseminar in Bad Marienberg, das einen der wertvollsten Bundespreise des Europäischen Wettbewerbs darstellt. Hier ist ihr Bericht:

Kleine Gruppen von Schülern sitzen im Zimmer verteilt an Laptops, diskutieren angeregt, überlegen, skizzieren Entwürfe. Im Hintergrund stehen zwei Teamerinnen, es läuft eine Youtube-Playlist. Überall im Raum sieht man, was in den letzten Tagen erarbeitet wurde. An den Wänden hängen Fotos, gezeichnete Portraits und ein Diagramm zur allgemeinen Stimmung, die Pinnwand ist voller Themen-Ideen und auf einem Tisch stehen Süßigkeiten aus verschiedenen europäischen Ländern.

Zwölf Schüler aus Kroatien, Tschechien und Deutschland haben im Rahmen des Europäischen Wettbewerbs einen der höchsten Preise gewonnen,  ein einwöchtiges internationales Jugendseminar im Europahaus Bad Marienberg. Während dieser Zeit beschäftigen sie sich mit dem Thema des Wettbewerbs, „Living together in Peace“. Eine Woche lang wohnt die Gruppe im Europahaus, macht Ausflüge, Workshops, grillt zusammen und diskutiert Europa – eine echte europäische Erfahrung.

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© EBD/ Reiß

Auf dem Boden ist gelbes und rosafarbenes Klebeband, „Vom LARP, dem life action role play“, erklärt Ronja Lindenberg, freiberufliche Teamerin im Europahaus Bad Marienberg. Anhand des Rollenspiels konnten die Schülerinnen und Schüler selbst erfahren, wie europäische Integration funktioniert und vor allem, wie schwierig es am Anfang war. In kleinen Teams wurden Staaten repräsentiert, die hinter umgekippten Tischen verschanzt anfangs gar nicht und mit der Zeit dann doch immer mehr miteinander kommunizierten.

Bei meiner Ankunft am vierten Seminartag stehen die Tische wieder aufrecht und die Teilnehmer sprechen auch wieder normal miteinander, zunächst vor allem über die Gruppenprojekte, die für den letzten Teil des Seminars anstehen. Im Rahmen der „European Creativity Workshops“ setzen die Teilnehmer das, was sie in den letzten Tagen erarbeitet haben, eigenständig und natürlich kreativ um. Eine inhaltliche Richtung wurde den Workshops mit dem Wettbewerbsthema „Living in peace together“ vorgegeben. „But how, and what is important?“ fragen sich die Schüler nun und identifizieren als Kernthemen für ihre Arbeit Flucht und Migration, die Stimmungslage in der EU und die mit dem Brexit verbundene Zukunft der EU.

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© EBD/ Reiß

Eine Gruppe Schülerinnen arbeitet an einer Collage zum Thema Zukunft und Migration. Die Flüchtlingsbewegung, die Vielfältigkeit Europas und auch der Brexit sind dargestellt, darunter der Schriftzug „Future?“. Die Fragestellung kann positiv oder negativ beantwortet werden; eine kleine Drehscheibe zeigt Begriffe wie openess, humanity und compassion, aber auch discrimination, crisis und terrorism.

Ein paar Meter weiter schauen drei Schüler erwartungsvoll auf ihre Bildschirme. Sie haben gerade eine Umfrage online gestellt, in der sie unter anderem fragen, welche Vorteile man persönlich als EU-Bürger genießt, ob man sich durch die EU auch eingeschränkt fühlt und was die Meinung zu den Auswirkungen des Brexit auf lange Sicht sind. Die Ergebnisse sollen in einen Film eingebunden werden, für den noch Statements gedreht werden.

Eliška und Katka, beide aus der Tschechischen Republik, wollen vor allem die sprachliche Vielfalt der EU darstellen. Sie haben unzählige Übersetzungen für die Begriffe „Mensch“ und „Frieden“ in die Silhouetten Europas, der Weltkarte und eines Kopfes gesetzt. Das Ergebnis kann als Postkarte gedruckt werden. „Wir haben unterschiedliche Sprachen, Gewohnheiten, Kulturen und auch eine unterschiedliche Bildung. Was uns verbindet ist aber, dass wir alle Menschen sind – wie im EU-Motto „United in Diversity“, erklärt  Eliška.

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© EBD/ Reiß

Das Europahaus Marienberg hat sich auf politische Bildung für junge Europäer spezialisiert. Seit 1951 wurde das Konzept der Jugendbildung konstant weiterentwickelt, statt klassischer Vorträge und Unterricht wie in der Schule setzt das Europahaus heute auf interaktive Formate, interkulturellen Austausch und digitales Lernen.

Gleich geblieben ist aber die Leitidee – mit Bildung und Dialog Europa stärken. Ronja Lindenberg, Teamerin des Europahauses, hält Bildung für unverzichtbar für ein nachhaltiges Europa. Viele Probleme und Konflikte könnten so nicht nur entschärft, sondern direkt vermieden werden. Kreative Formate, wie die Seminare in Bad Marienberg, hält sie für besonders sinnvoll, um Jugendliche zu erreichen.

Die Reaktion der Preisträger des Europäischen Wettbewerbs gibt ihr Recht – sie sind begeistert von der Woche im Europahaus. Das Programm für die Woche war abwechslungsreich – neben Kennlernspielen und interkulturellem  Austausch gab es auch einen Ländermarkt, Ausflüge, ein Europa-Quiz und die Kreativworkshops. Die Schüler sind nach dieser Woche jedenfalls noch überzeugtere Europäer als zuvor. „Natürlich gibt es in Europa viele Krisen“, räumt Ilaria, die Teilnehmerin aus Kroatien, ein. „Aber ich habe gesehen, wie Menschen in meinem Land offener wurden, als wir in die EU gekommen sind. Ich denke schon, dass Europa sich lohnt – und dass es weitergeht damit.“

Hier findet ihr alle „Stimmen des EW“. Ihr möchtet auch erzählen, wie ihr euren Wettbewerbsbeitrag erstellt habt oder was ihr dank des Europäischen Wettbewerbs erlebt habt? Schreibt an team@ew2016.de!

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