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Berlin

Europa kreativ kommunizieren | Der Europäische Wettbewerb im Unterricht

Der Europäische Wettbewerb bringt Europa in die Klassenzimmer. Doch wie funktioniert das eigentlich? Welche Möglichkeiten der älteste Schülerwettbewerb bietet, den ersten Kontakt mit Europa und europapolitischen Themen in der Schule herzustellen und wie er auch für Lehrkräfte als gewinnbringende Methode in den Unterricht integriert werden kann, wurde auf der Fortbildung zur „Europabildung kreativ“ für Berliner Lehrkräfte im „Europahof“ thematisiert.

 

Ein erster Blick hinter die Kulissen und in die Historie des Wettbewerbs bot das Video zum 60. Jubiläum des Europäischen Wettbewerbs. Begonnen als Schreibwettbewerb bieten sich heute vielfältige Möglichkeiten sich mit den jährlich wechselnden Aufgaben auseinanderzusetzen: Ob in Gedichtform, als Poetry Slam, in Texten sogar eigens entwickelten Kinderbüchern, in Comics, Powerpoints, Liedbeiträgen, Rapsongs, Videos, Theaterstücken oder anhand von Collagen, Bilderreihen, Plakaten, Skulpturen und Bildbeiträgen – der Kreativität und Umsetzungsform sind keine Grenzen gesetzt.

Genau das ist die Stärke des Europäischen Wettbewerbs, der sich daher nicht nur für die künstlerischen und musischen Fächer eignet, sondern auch für die literarischen und gesellschaftswissenschaftlichen Bereiche, wie Ethik, Politik oder Geschichte, bietet der Wettbewerb viel Potenzial: Ob eine Erörterung zu Europa, ein Thesenpapier zu den aktuellen Herausforderungen in der EU oder doch eher eine Pinnwand, die die Zukunftsszenarien der EU abbildet – der Europäische Wettbewerb setzt Anreize, sich kreativ mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen. Er stärkt damit nicht nur die kulturelle Bildung, sondern unterstützt Talentförderung, trägt dazu bei, das Europabewusstsein zu stärken und Europakompetenz sowie Demokratiebildung zu fördern.

In den Schulen lassen sich die altersgerechten Aufgaben des Wettbewerbs auch in den Rahmenlehrplan für die unterschiedlichen Jahrgangsstufen integrieren. Für die größeren Schülerinnen und Schüler kann der Wettbewerb sogar als 4. oder 5. Prüfungskomponente in den Mittleren Schulabschluss (MSA) in Berlin eingebracht werden. Doch selbstverständlich können die Themen auch in diversen Arbeitsgemeinschaften oder an Projekttagen umgesetzt werden.

Das Arbeitshilfeportal des Europäischen Wettbewerbs hält Grundlagenwissen für Multiplikatoren und didaktisches Material über die EU für den Unterricht bereit sowie passend zu den jeweils aktuellen Aufgaben sortierte Online-Materialien. Für weitere Inspirationen sind die Best of – Filme der 63. und 64. Wettbewerbsrunde empfohlen.

Nachdem der Europäische Wettbewerb mit seiner thematischen, inhaltlichen und methodischen Vielfalt vorgestellt  wurde, waren die Lehrkräften am Drücker. In Kleingruppen sammelten sie zu den aktuellen Aufgaben unter dem Motto „Denk mal – worauf baut Europa?“, erste Ideen: Wie können die Themen im Unterricht aufbereitet werden? Welche Projekte könnten beim Europäischen Wettbewerb eingereicht werden und wie viel Vorlauf müsste man idealerweise für die Vorbereitung und Umsetzung einplanen?

Die Berliner Lehrkräfte haben noch bis zum 9. Februar 2018 Zeit, ihre Ideen weiterzuentwickeln, mit ihren Schülerinnen und Schülern umzusetzen und schließlich bei der Landesbeauftragten Mareike Müller einzureichen. Die besten Arbeiten werden im Anschluss von der Landesjury an die Bundesjury weitergegeben, wo attraktive Preise winken: 140 Reisen u.a. nach Brüssel, Straßburg oder zu den internationalen Jugendbegegnungen, 170 Sachpreise wie Spiele, Bücher oder ZEIT- und GEOlino-Abos bis hin zu Geldpreise im Wert von 25 bis 150 Euro.

Wer den Europäischen Wettbewerb gern mit internationalen Partnern bearbeiten möchte – kann dies selbstverständlich auch. Dafür sorgt die Partnerschaft des Europäischen Wettbewerbs und eTwinning. Eine der erfahrensten eTwinnerinnen, Christiane Meisenburg, erklärte den Lehrkräften anhand bisher umgesetzter Projekte die Online-Plattform und den sogenannten „Twinspace“. Wo finde ich was? Welche Beiträge sind sichtbar? Wer kann Einträge auf dem Blog hinterlassen? Was ist für wen sichtbar und wo können sich Lehrkräfte auch geschützt austauschen und welche Rolle spielen unterschiedliche Zeitzonen oder Unterrichtszeiten? Am Ende ihrer Einführung waren sich alle Lehrkräfte einig: eine bessere Plattform zum gegenseitigen Austausch mit internationalen Partnern gibt es wohl kaum: Man kann zeitversetzt im „Twinspace“ arbeiten oder auch simultan kochen, Videokonferenzen starten und öffentliche Blogbeiträge schalten. Dass solche Projekt auch erfolgreich sein können, zeigte sich an dem Projekt „Schule der Zukunft“, an dem Christiane Meisenburg und ihre Klassen gemeinsam mit tschechischen und polnischen Partnern zusammenarbeitete. Nicht nur ist über dieses Projekt und über Folgeprojekte eine Freundschaft entstanden – nein, auch das Traumklassenzimmer wurde mithilfe von Spenden in der Siegerist Gesamtschule tatsächlich gebaut und eingerichtet.

 

Sie suchen nach weiteren Ideen, wie Europa in die Klassenzimmer kommt? Kein Problem. Mit Europa macht Schule e.V. führt der Europäische Wettbewerb eine lockere Kooperation. Die Zeitfenster, die die Einreichung eines gemeinsamen Projekts mit den Gaststudierenden ermöglichen, sind allerdings sehr eng. Europa macht Schule bringt europäische Studierende in deutsche Schulen, um so die kulturelle Vielfalt zu entdecken und die jeweils andere Kultur besser kennenzulernen. Darüber hinaus können auch ganze Projekte gestaltet werden: Lieder oder Tänze können eingeübt werden, Comics oder Reiseführer gestaltet, Sketche oder Theaterstück einstudiert werden oder gar ein Austauschbesuch stattfinden.

Auch über den Tellerrand des Wettbewerbs hinaus, bietet das Netzwerk der Europäischen Bewegung Deutschland weitere kreative Bildungselemente:

  • So lädt die Junge Europäische Bewegung jährlich 400 Schülerinnen und Schülern ein, an einer zweitägigen Simulation des Europaparlaments (SIMEP) teilzunehmen.
  • Die Schwarzkopf-Stiftung bietet mitunter vierstündige EU-Kompaktkurse an, in denen sie einzelnen Klassen grundlegendes Inhaltswissen zur Europäischen Union vermitteln oder gar spezifische Themen unter die Lupe nehmen und mit den Schülerinnen und Schülern kritisch diskutieren.
  • Das European Youth Parliament bietet darüber hinaus die Gelegenheit, eine Simulation des Europaparlaments mit internationaler Teilnehmerschaft nachzuempfinden und mitzuerleben und Visionen zur weiteren Gestaltung Europas zu entwickeln.
  • Citizens of Europe bietet diverse Wochenenddebatten, Trainings, Künstlerworkshops und ein jährliches Kurzfilm-Festival über die verschiedenen Darstellungen Europas an. Mindestens zwei Mal im Jahr findet ein etwa einwöchiges Seminar mit internationaler Beteiligung zu Themen wie Bürgerbeteiligung und Demokratie statt.
  • planpolitik entwickelt und gestaltet Planspiele zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen, die auch für Schulen und Klassen gut geeignet und einsetzbar sind.

Das „Erlebnis Europa„-  ein Besuch im Europäischen Haus – rundete den Tag ab: Auch hier haben sich unsere Lehrkräfte von neuen Ideen und den interaktiven Darstellungsformen von Europa für den Unterricht inspirieren lassen. Die nächste Besuche mit den eigenen Schulklassen können hier angemeldet werden.

Die Fortbildung für Berliner Lehrkräfte fand am 19. Oktober statt und wurde  durchgeführt von Mareen Hirschnitz, Projektmanagerin des Europäischen Wettbewerbs, und der Berliner Landesbeauftragten Mareike Müller. Ziel der Fortbildung war es, neue Lehrkräfte an Berliner Schulen zu gewinnen, die den Europäischen Wettbewerb bisher nicht kannten.

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