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Europäische Jugendbildung hautnah erleben – Brüsselreise Februar 2017

Alle Gruppenteilnehmer der Brüsselreise | Foto: EBD

18 LehrerInnen des Europäischen Wettbewerbs, 10 Bundesländer, zwei spannende Tage in Brüssel –  das Ziel: hinter die Kulissen der europäischen Jugendbildung schauen!

Möglich gemacht wurde dies durch eine Einladung der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland. Die zweitägige Bildungsreise ermöglichte interessierten Lehrkräften des Europäischen Wettbewerbs, sich über die Bildungs- und Jugendpolitik der Europäischen Kommission zu informieren. Begleitet wurden die Lehrkräfte von Dina Behnke, stellvertretende Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, Lara Rudnik, Trainee der European Movement International und Marie Gieß, Praktikantin Europäische Bewegung Deutschland.

Nach einer kurzen oder längeren Anreise am Sonntag, dem 26.2.2017, bezogen alle Teilnehmenden ihre Zimmer im Martin’s Brussels EU Hotel, das nur knapp 200 Meter entfernt vom Berlaymont-Gebäude liegt. Am Montagmorgen war der Weg zum Charlemagne-Gebäude entsprechend kurz.

Begrüßt wurde die Gruppe von der Besuchsleiterin Nicole Peil-Fort, die einen kurzen Einblick über das geplante Programm gab.

Im Anschluss beantwortete Bettina Appel, Mitglied des Referententeams der Generaldirektion Kommunikation, die Frage „Was ist die EU und was macht sie eigentlich?“ praxisnah und interessant. Bei einem Rundgang durch die Flure des Besucherzentrums der Europäischen Kommission wurden die aktuellen und vorangegangenen Kommissionsvorsitzenden vorgestellt.

Gefolgt wurde dieser Beitrag von Ellen Durst, Mitarbeiterin des Referats Jugend, solidarischer Freiwilligendienst, Praktikantenbüro der Generaldirektion Jugend, Kultur, Bildung und Sport. Bei ihr stand die generelle Jugendpolitik auf europäischer Ebene im Vordergrund – ein komplexer Politikbereich. Die Zielvorgaben für die Initiativen sind oft weit aufgestellt und viele der Kompetenzen für die Jugendarbeit liegen bei den EU-Mitgliedstaaten. Schaut man sich jedoch die Zahlen des EU Youth Reports an, besteht europaweiter Handlungsbedarf: 30% aller Jugendlichen in der EU sind von sozialer Ausgrenzung bedroht, 13% sind arbeitslos. Die Ziele der EU sind damit klar definiert: mehr Chancengleichheit und mehr Förderung von sozialen Engagement. So wurden 8 Strategiefelder (European Youth Stratey) entwickelt, die sich mit verschiedenen Aspekten der Förderung befassen. Teil der Strategien sind verschiedene Initiativen, wie zum Beispiel mutual learning Projekte.

Weitere Konzepte sind die Europäische Jugendgarantie: sie sichert zu, dass Jugendliche innerhalb von 4 Monaten nachdem sie arbeitslos geworden sind oder ihre Ausbildung abgeschlossen haben, Kontakt zur Arbeitswelt bekommen. So wird verhindert, dass diese Personen „vom Radar verschwinden“. Viele der GruppenteilnehmerInnen stellten Fragen und betonten ihre Ansicht zu der komplexen Sinnfrage vieler Jugendlicher heute. Die Anwesenden stimmten überein, dass der positive Wert des non-formalen Lernens in der Gesellschaft noch deutlicher erkennbar werden sollte.

Nach einer kurzen Verschnaufpause übernahm Lambert Schulze Wessel des Referats Bürgerinfomationen der Generaldirektion Kommunikation. Schülern die Europäische Union so einfach, aber auch umfassend wie möglich nahe bringen – das ist sein Gebiet. Die Lehrer schlüpften in die Rolle der Schüler und konnten live erleben, wie durch Quizze und weitere Möglichkeiten Jugendliche an diese Thematik herangeführt wurden.

Nun ging es los zum gemeinsamen Mittagessen mit Christine Mai, Kabinettsmitglied von Kommissar Tibor Navracscis und zuständig für Jugend, Kultur, Bildung und Sport. Bei einem leckeren Menü mit gutem Wein und französischer Quiche konnten, die LehrerInnen all ihre Fragen zum Thema Europäischer Solidaritätskorps stellen und von ihrer Arbeit beim Europäischen Wettbewerb berichten.

Die nächste Runde wurde von Kristina Cunningham eingeläutet. Sie arbeitet im Referat Schulen und Mehrsprachigkeit der Generaldirektion Bildung und Kultur. Sie erläuterte der Gruppe, dass die Ergebnisse des Gipfeltreffens in Barcelona 2002 eine Verbesserung der Schlüsselkompetenz von Schülern vorsieht. Das beinhaltet unter anderem das Erlernen von mindestens zwei Fremdsprachen ab einem frühem Alter. So werden die verschiedensten Initiativen gefördert, die die Sprachkompetenz der Schüler entwickeln. Beispiel dafür ist das Europäische Sprachsiegel, das einmal im Jahr  verliehen wird und innovative Sprachprojekte auszeichnet. Oder auch Peer Learning Activities, bei denen sich Akteuere verschiedener Länder zu bestimmten Problemstellungen austauschen können.

Seitens der Gruppe wurde in der offenen Diskussionsrunde darauf hingewiesen, dass die Vermittlung von mehreren Sprachen sich oft schwierig gestaltet, da die Kinder oft nicht einmal eine Sprache gut beherrschen würden.

Den letzten Teil übernahm Johannes Gehringer des Referats Hochschulbildung der Generaldirektion Bildung, Jugend, Kultur und Sport. Er stellte das ERASMUS+ Programm vor und dessen Entwicklung seit der Zusammenschließung aller Initiativen in 2014. Das Programm umfasst nun Initiativen für lebenslanges Lernen, Jugend und Sport sowie die europäischen Kooperationsprogramme im Hochschulbereich.  Außerdem gab er interessante Einblicke in die Statistiken der ERASMUS+ Teilnehmer der Hochschulen: so sind 61% aller Studenten die an dem Programm teilnehmen weiblich. Im Schnitt sind die Teilnehmer 24.5 Jahre alt, die meisten kommen aus Frankreich. Spanien hat die höchste Quote an ankommenden Studenten. Die Vorteile des Programmes seien deutlich erkennbar: höhere Kontaktfreudigkeit, mehr Offenheit, bessere Chancen in der Arbeitswelt, mehr unternehmerische Fähigkeiten. Durch den Zusammenschluss der Programme 2014 wurde das Programm deutlich verbessert: mehr Flexibilität, einfachere Anerkennung an den Unis, einfachere Teilnahme und bessere Sprachfähigkeiten.

Nach diesem Tag voller spannendem Input ging es abends in die Brüsseler Altstadt. Bei belgischen Bier und leckerem Käse konnte man nochmal die Eindrücke verarbeiten, bevor es zurück ins Hotel ging.

Am Dienstagvormittag stand noch der Besuch des Europäischen Parlaments und des Parlamentariums auf dem Programm. Vor allem das Parlamentarium bot einen kreativ interaktiv gestalteten Einblick in die Geschichte der Europäischen Union. So konnte man einen Zeitstrahl ablaufen, an dem jeder kleine Schritt aufgezeigt wurde, der zur Entstehung der Europäischen Union beigetragen hatte. Ein weiteres Highlight war ein 360° Raum, der die Raumstruktur des Parlaments wiederspiegelte. Mit kleinen Wagen wurde eine interaktive Landkarte abgefahren, auf der wichtige Standpunkte der EU in ganz Europa dargestellt wurden. Am Ende der Ausstellung konnte man seine Wünsche, Anmerkungen oder Kritik in einem Computer eingeben, der diese in einer großen Sammlung an die Wand projizierte.

 

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