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  • 10.07.2017 - 12:07
Baden-Württemberg Stimmen des EW

Stimmen des EW | Marks Europa schleppt den Stier

Mark Reindl (22) von der Louis-Lepoix-Schule in Baden-Baden hat sich in seinem Bild in beeindruckender Weise mit dem Umgang der Europäer mit ihrem eigenen kulturellen Erbe auseinandergesetzt. Sein Bild war Anlass für die Bundeskanzlerin, ihn zu einem dreitägigen Aufenthalt nach Berlin einzuladen. Hier erklärt er uns in eigenen Worten, was er mit seinem Gewinnerbild sagen will:

„Die Aufforderung unseres Berufsschullehrers, am Europäischen Wettbewerb teilzunehmen, hat mich zu ersten Mal intensiver über Europa und seine Werte, für die es steht, nachdenken lassen. Ziemlich schnell wurde mir bewusst, dass unser Europa gerade in einer schwierigen Situation steckt und dass viele Menschen in Europa gar nicht zu schätzen wissen, was wir daran haben. Rechtsextreme und populistische Strömungen aber auch eine bewusste Abkehr, wie etwa der Brexit, lassen ziemlich deutlich erkennen, dass es den Idealen der EU zurzeit ziemlich schlecht geht.

In meinem Bild, das ich für den Wettbewerb eingereicht habe, habe ich auf die griechische Sage um Prinzessin Europa und den Stier zurückgegriffen. Das Erbe der griechisch-römischen Antike wirkt auch heute noch in vielen heutigen Ländern Europas nach und deshalb fand ich die Figur der Europa – neben den typischen europäischen Farben – am passendsten um den Kontinent, aber allen voran die EU, ganz allgemein darstellen zu können.
Die Griechen glaubten, dass der Name „Europa“ daher rührt, dass sich Zeus in die schöne Prinzessin Europa verliebte und sie entführen wollte. Um unerkannt zu bleiben verwandelte er sich in eine Stier, raubte die Prinzessin und floh mit ihr durchs Meer: Auf einer Insel setzte er sie wieder ab – unser Europa.  Für Gewöhnlich zeigen Maler Europa auf dem Stier sitzend. Ich habe diese Darstellungsweise umgedreht und lasse Europa einen völlig erschöpften Stier ziehen; er ist mit allerlei Kulturgütern – Masken, Büsten von Dichtern, Büchern oder auch Musikinstrumenten – beladen, die alle nach und nach herunterpurzeln. Mit vereinten Kräften muss sich Europa abmühen, um vorwärts zu kommen.

Womöglich hat man sich von Anfang an zu viel vorgenommen. Womöglich hat man sich mit zu hohen Zielen in einer Sackgasse verrannt. Womöglich sind wir gerade mit den Anforderungen an Europa überfordert. Womöglich müssen wir unser Europa neu „updaten“. Aber dass das „Projekt Europa“ gescheiter wäre, würde ich nicht behaupten wollen, denn der Wunsch, gemeinsam und vereint in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit leben zu wollen ist auch nach 60 Jahren keineswegs altmodisch geworden.“

Zu Marks Beitrag:

Mark Reindl

Hier findet ihr alle „Stimmen des EW“. Ihr möchtet auch erzählen, wie ihr euren Wettbewerbsbeitrag erstellt habt oder was ihr dank des Europäischen Wettbewerbs erlebt habt? Schreibt an team@ew2017.de!

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