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Latest news: „Denk mal – worauf baut Europa?“ – hier entlang zu den Themen des 65. Europäischen Wettbewerbs

Newsletter 11/2014

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Liebe Leserinnen und Leser,

die angespannte Situation der Jugend in Europa ist eine der größten Herausforderungen, denen die neue EU-Kommission unter Jean-Claude Juncker begegnen muss. Derzeit sind in den EU-Mitgliedstaaten über 20% der 15- bis 24-Jährigen arbeitslos, das sind mehr als fünf Millionen junge Männer und Frauen. Die Unterschiede sind groß: Während Länder wie Deutschland und Österreich nur etwa 8% Jugendarbeitslosigkeit verzeichnen, sind in südeuropäischen Ländern wie Spanien und Griechenland über die Hälfte der jungen Menschen erwerbslos. Die Kosten dieses besorgniserregenden Zustands summieren sich laut Schätzungen auf jährlich 153 Milliarden Euro.

Mit dem Konzept der Jugendgarantie hatten sich die EU-Mitgliedstaaten Anfang 2013 verpflichtet, allen Schulabsolventen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten eine Arbeitsstelle, einen Ausbildungsplatz, ein Praktikum oder eine Fortbildung anzubieten. Die Kosten dieser Maßnahme betragen pro Jahr etwa 21 Milliarden Euro. Die Erfolge der Jugendgarantie sind jedoch bisher ernüchternd, auch aufgrund stockender Auszahlung der vorgesehenen Gelder: Die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen ist nur geringfügig niedriger als vor anderthalb Jahren.

Was hilft also erwerbslosen Jugendlichen? Zumindest für Studenten scheint es einen Lichtblick zu geben, wie eine aktuelle Studie zur Wirkung von Erasmus belegt: Demnach liegt die Arbeitslosenquote bei Erasmus-Studenten fünf Jahre nach dem Studium um 23% niedriger als bei Studierenden ohne Auslandserfahrung. Dies liegt u.a. an der höheren beruflichen Mobilität, da Erasmus-Studenten eher zum Leben und Arbeiten in anderen Ländern bereit sind. Über 60% der befragten Arbeitgeber trauen Arbeitnehmern mit internationaler Erfahrung mehr Verantwortung zu, wodurch der Erasmus-Aufenthalt immer mehr zum Einstellungskriterium avanciert.

Jugendarbeitslosigkeit, Jugendgarantie und Mobilität sind drei Bereiche, die sich ganz unterschiedlich auf die Zukunftschancen von Jugendlichen auswirken. Umso wichtiger, dass sie selbst auch gehört werden! Deshalb finden Sie in diesem Newsletter neben den bildungs- und jugendpolitischen Programmen der europäischen Institutionen auch die Stimmen der Jugendlichen selbst – und natürlich viele weitere Inspirationen für die kreative Arbeit zu europäischen Themen.

Mit freundlichen Grüßen

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Florian Strasser
Projektleiter Europäischer Wettbewerb

„Dear Tibor…“ – neuer EU-Kommissar in der Kritik

Auf überwiegend negatives Echo stieß die Nominierung des Ungarn Tibor Navracsics zum EU-Kommissar für Bildung, Jugend, Kultur und Sport durch Kommissionspräsident Juncker. Navracsics war ab 2010 Minister für Verwaltung und Justiz im Kabinett Orbán und stellvertretender Ministerpräsident. Insbesondere seine Justizreform und deren Auswirkungen auf die ungarische Zivilgesellschaft waren Grund dafür, dass er in der ersten Runde der Anhörungen im Europäischen Parlament durchfiel. Nachdem sein Ressort den Bereich „Bürgerschaft“ abgeben musste, stimmte man der Personalie schließlich zu. Nicht besonders erfolgreich waren Jugendverbände mit ihrer Kritik – Navracsics Nominierung und die Unterordnung des Ressorts unter primär wirtschaftliche Vizepräsidenten zeige, dass für die EU-Kommission Jugend kein wichtiges Politikfeld sei und dass dieses zudem überwiegend unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten gestaltet werde.

Tatsächlich fordert Kommissionspräsident Juncker in seinem Nominierungsschreiben an Navracsics, dass das Ressort für Bildung, Jugend, Kultur und Sport aktiv an der Überwindung der Wirtschaftskrise und der Jugendarbeitslosigkeit mitarbeiten soll. Doch auch weniger marktorientierte Ziele wie die Förderung der wissenschaftlichen Forschung, der kulturellen Vielfalt und des Wissens über die Europäische Union werden formuliert. Die nächsten fünf Jahre werden zeigen, welche Schwerpunkte Navracsics zu setzen vermag.

Bericht der EU-Kommission zu Bildung und Ausbildung

Wie steht es um die Bildung in Europa? Antwort darauf liefert der jährliche „Education and Training Monitor“, welcher im Auftrag der EU-Kommission nun in dritter Auflage erscheint. Auf empirischer Grundlage werden die einzelnen EU-Länder analysiert und Handlungsempfehlungen abgeleitet. Die Studie unterstützt die Umsetzung der länderspezifischen Empfehlungen (Country Specific Recommendations), die der Rat im Rahmen des sog. Europäischen Semesters 2014 annahm. Auf der offiziellen Website ist der Education and Training Monitor 2014, die spezifischen Berichte über die 28 Mitgliedstaaten und auch ein Visualisierungstool, um den aktuellen Status mit den Zielvorgaben zu vergleichen, einsehbar. Die Empfehlungen für Deutschlands Bildungspolitik konzentrieren sich auf drei Punkte:

1. höhere und effizientere Investitionen in den Bereichen Infrastruktur, Bildung und Forschung

2. den Bildungserfolg sozial benachteiligter Menschen stärken

3. weiterer Ausbau der Ganztagsbetreuung in Kindertagesstätten und Schulen

EU-Arbeitsplan Jugend für 2015

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©Fotolia

Der EU-Jugendrat verabschiedete im Mai 2014 einen Arbeitsplan, der eine Strategie zur Zusammenarbeit im Jugendbereich bis Ende 2015 definiert. Dieser Arbeitsplan verortet Jugendpolitik und deren angrenzende Politikbereiche in aktuell relevanten jugendpolitischen Themenstellungen, in der allgemeinen und beruflichen Bildung sowie in der Beschäftigungspolitik. Bis Ende Dezember 2015 werden drei Prioritäten für die jugendpolitische Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten bestimmt:

1. die Nutzung des informellen Lernens, um junge Menschen bei der Bewältigung der Krise zu unterstützen

2. eine stärkere bereichsübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen der EU-Politikstrategien

3. Empowerment junger Menschen mit besonderem Fokus auf Rechten, Autonomie, Partizipation und aktiver Bürgerschaft

Das Originaldokument steht zum Download zur Verfügung.

Hintergrundinformationen zu den jugend- und kulturpolitischen Ergebnissen der Ratsformation Bildung, Jugend, Kultur und Sport bietet das halbjährliche De-Briefing der Europäischen Bewegung Deutschland. Vertreter des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Auswärtigen Amts berichten das nächste Mal am 15. Dezember 2014 in Berlin.

Forderungen der Jugendverbände an die neue EU-Kommission

Auch Jugendverbände nutzten die politische Zäsur der Europawahl 2014 und stellten ihre Forderungen für die neue EU-Kommission auf. Im Mai trafen sich 5.000 junge Menschen im Rahmen des European Youth Event im Europäischen Parlament in Straßburg. Ihre Forderungen beinhalten u.a. besseren gesetzlichen Schutz für Praktikanten, ein einheitliches Wahlrecht zu den Europawahlen und mehr europäische Themen in der Schule. Die Ideen der Teilnehmer zu Themen wie Jugendarbeitslosigkeit, digitale Revolution, Zukunft der EU, Nachhaltigkeit und europäische Werte sollen nun vor den zuständigen Ausschüssen des Europäischen Parlaments präsentiert werden.

Der Zugang junger Menschen zu Rechten stand im Fokus des Youth Forum, das im Oktober 2014 in Rom stattfand. Im Hinblick auf die Förderung ihrer Selbstbestimmung und Teilhabe entwickelten die Teilnehmer Empfehlungen an die EU und die Mitgliedstaaten. Die jungen Europäer fordern die Entwicklung von Maßnahmen, die ihnen den Zugang zu Rechten, Arbeitsplätzen, Krediten und Sozialhilfe erleichtern. Darüber hinaus setzen sie sich dafür ein, das Bewusstsein über die Rechte Jugendlicher durch Zusammenarbeit von NGOs und Jugendorganisationen zu erhöhen. In der Hintergrundanalyse „Youth in Crisis“ verlangen die Vertreter des Jugendforums zudem eine effizientere und nachhaltige Gestaltung der Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit.

„Mein Europa 1989, heute & morgen: So will ich Europa“

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Berliner Mauerfalls luden die Europäische Bewegung Deutschland, die Vertretung der EU-Kommission und das Informationsbüro des Europäischen Parlamentes 28 junge Europäerinnen und Europäer nach Berlin ein. Die Besonderheit: aus jedem EU-Mitgliedstaat kam eine Person, die im Jahr des Mauerfalls geboren wurde. Beworben hatten sich die 25-Jährigen mit Videos, in denen sie beantworteten, welche Mauern künftig in Europa eingerissen werden müssen.

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©EBD/J.Hartmann

Am 2. November hatten die Teilnehmer dann die Gelegenheit, im Rahmen eines World Café ihre Visionen auszutauschen und ein gemeinsames Manifest für die Zukunft der Europäischen Union zu formulieren. Die jungen Leute entwarfen acht ambitionierte Forderungen – zum Beispiel eine stärkere Außenpolitik der EU, den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und die Vereinheitlichung von Bildungs- und Beschäftigungsstandards innerhalb der EU. Bei einer abschließenden Podiumsdiskussion konnten die jungen Teilnehmer ihren Forderungskatalog hochrangigen Vertretern der europäischen Institutionen übergeben.

„Nur kurz die Welt retten“ – der 62. Europäische Wettbewerb und das Europäische Jahr der Entwicklung

Als ältester Schülerwettbewerb Deutschlands ist der Europäische Wettbewerb ein wichtiger Katalysator für aktuelle europäische Debatten und nicht selten seiner Zeit sogar einen Schritt voraus.

RTEmagicC_4r.jpg2015 wird in der EU das Europäische Jahr der Entwicklung begangen – dank des Europäischen Wettbewerbs arbeiten seit Schuljahresbeginn bereits tausende Schülerinnen und Schüler bundesweit zu entwicklungspolitischen Themen.

Um die Lehrkräfte bei der kreativen Arbeit mit ihren Schüler zu diesem umfangreichen Themenkomplex zu unterstützen, hat die Geschäftsstelle des Wettbewerbs vielfältige Materialien im Arbeitshilfenportal zusammengestellt – zum Beispiel das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entwickelte Konzept für globales Lernen in der Schule, das in Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz im „Orientierungsrahmen für den Lernbereich globales Lernen“ ausdifferenziert wurde.Die Schulen, Lehrkräfte und Schüler sind also gut gerüstet, um bis Februar 2015 qualifizierte und kreative Beiträge zu entwickeln.

kulturweit – Freiwilliges soziales Jahr im Ausland

Noch bis zum 2. Dezember 2014 können Bewerbungen für Freiwilligendienste im Ausland im Rahmen von Kulturweit eingereicht werden. Kulturweit ist der internationale kulturelle Jugendfreiwilligendienst im Bereich der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, ein Projekt der Deutschen UNESCO-Kommission in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt. Bewerben können sich junge Menschen im Alter von 18 bis 26 Jahren, die sich für sechs oder zwölf Monate im Kultur- und Bildungsbereich engagieren wollen. Die Einsatzstellen befinden sich in sogenannten Entwicklungsländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sowie in Staaten Mittel-, Südost- und Osteuropas.

Europa bauen – die Europawerkstatt 2014

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© Junge Europäische Förderalisten

Vom 28. bis zum 30. November 2014 findet zum dritten Mal die Europawerkstatt der Jungen Europäischen Förderalisten (JEF) in der Hertie School of Governance in Berlin statt. Die Europawerkstatt hat ein ganz besonderes Veranstaltungsformat – die sogenannte „Unconference“. Dieses Format bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, sich ein individuelles Programm zu gestalten, indem sie spontan entscheiden, an welchen Sessions sie teilnehmen möchten. Die Sessions werden von den Teilnehmern selbst, aber auch von namhaften politischen Entscheidungs- und Funktionsträgern wie dem Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth, angeboten. Das Format ist flexibel, kann Vorträge, Diskussionsrunden oder Workshops beinhalten. Experten und Jugendliche begegnen sich in der Europawerkstatt auf Augenhöhe –  wir sind gespannt auf die Ergebnisse!

Impressum

Der nächste Newsletter Europa in der Schule erscheint Anfang 2015. Bis dahin können Sie uns über Facebook und Twitter folgen!

Europäische Bewegung Deutschland e.V.

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