48 Stunden im Herzen Europas – Besuchsreise bei Prof. Dr. Andrea Wechsler MdEP 

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Der 72. Europäische Wettbewerb bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich kreativ mit europäischen Themen auseinanderzusetzen. Wer die Jury mit seiner Arbeit überzeugt, kann verschiedene Preise gewinnen – zum Beispiel eine Reise nach Brüssel, in das politische Zentrum der Europäischen Union. Genau dorthin ging es für eine achtköpfige Gewinnergruppe vom 01. bis 03. September 2025 auf Einladung von Prof. Dr. Andrea Wechsler, die seit 2024 für die CDU Baden-Württemberg im Europaparlament sitzt. Es ist eine Reise, bei der die Jugendlichen Institutionen kennenlernen, Gespräche führen und Europa ganz unmittelbar erleben konnten. Prof. Dr. Andrea Wechsler gab den Teilnehmenden zudem persönliche Einblicke in ihre Arbeit im Europäischen Parlament. 

Den Auftakt der Reise bildete die feierliche Eröffnung der Ausstellung im Europäischen Parlament, bei der die Gewinnerprojekte des Wettbewerbs präsentiert wurden. Die Schülerinnen und Schüler stellten ihre Arbeiten vor, erklärten ihre Ideen, berichteten von ihren Beweggründen und dem kreativen Prozess. Prof. Dr. Andrea Wechsler eröffnete die Veranstaltung mit einer sehr offenen und inspirierenden Rede. Sie sprach darüber, wie sie selbst in jungen Jahren an einem Wettbewerb teilgenommen hatte und dass damals, genau wie heute, eine Reise nach Brüssel Teil ihres Preises war. Diese Erfahrung, so sagte sie, habe ihre Begeisterung für Europa entscheidend geprägt. Vom Jurastudium in Oxford über Stationen in der freien Wirtschaft führte ihr Weg schließlich ins Europäische Parlament. Sie betonte, wie wichtig es sei, dass Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen politische Verantwortung übernehmen, und sagte: „Ich glaube, man kann immer Politik machen, egal mit welchem Hintergrund.“ Europa, so erklärte sie weiter, sei kein starres Konstrukt, sondern ein lebendiger Prozess. Besonders beeindruckend fand sie eine Wettbewerbsarbeit, auf der ein Abgeordneter als Puzzleteil dargestellt ist. Dieses Bild griff sie auf und sagte: „Wie in dem Bild dargestellt, ist jeder von uns ein kleines Puzzleteil in Europa.“ Damit machte sie Mut, Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen.  

Der Ausstellungseröffnung wohnten auch weitere Abgeordnete des Europäischen Parlaments bei, darunter Sabrina Repp (SPD), Alexandra Mehnert (SPD), Isabel Wiseler-Santos Lima (CSV, Luxemburg) sowie der Vizepräsident der Europäischen Bewegung Deutschland e.V. Michael Gahler (CDU). Sie interessierten sich sehr für die ausgestellten Projekte und kamen mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch. Für diese war es eine besondere Erfahrung, sich direkt mit Europaabgeordneten austauschen zu können.  

Am folgenden Tag erhielt die Gruppe eine Führung durch das Europäische Parlament. Besonders der Plenarsaal hinterließ einen bleibenden Eindruck. Anschließend trafen sie Johannes Haenicke, den Pressesprecher der EVP-Fraktion. In einem offenen Gespräch schilderte er die Bedeutung von Kommunikation in der europäischen Politik. Er erklärte, dass ein großer Teil der politischen Arbeit darin bestehe, Entscheidungen und Inhalte verständlich zu machen und nach außen zu tragen. Dabei wurde deutlich, dass politische Prozesse nicht nur auf der großen Bühne stattfinden, sondern auch und insbesondere im Hintergrund von vielen Menschen begleitet und vorbereitet werden.  

Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch des Parlamentariums, des Besucherzentrums des Europäischen Parlaments. In der multimedialen Ausstellung konnten die Teilnehmenden nachvollziehen, wie sich die Europäische Union historisch entwickelt hat, welche Krisen sie geprägt haben und wie sie versucht, den Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen. Besonders spannend war es, durch die verschiedenen Stationen zu erfahren, wie eng die Arbeit der Abgeordneten mit dem Leben der Bürgerinnen und Bürger in Europa verbunden ist.  

Am Nachmittag besuchte die Gruppe die Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union. Dort wurden den Gewinnerinnen und Gewinnern erklärt, wie die Interessen eines Bundeslandes auf europäischer Ebene vertreten werden und welche Rolle europäische Gesetzgebung für die Regionen spielt. Viele Themen, die einen im Alltag betreffen, werden in Brüssel vorbereitet oder entschieden. 

Am letzten Tag der Reise stand ein Besuch im Haus der Europäischen Geschichte auf dem Programm. Die Ausstellung führte durch verschiedene Epochen, vom Kolonialismus über Nationalismus bis hin zur Entwicklung von Demokratie und Frauenrechten. Auch aktuelle Herausforderungen in Europa wurden thematisiert. Besonders beeindruckt waren die Teilnehmenden davon, wie aktuell und lebendig Geschichte in diesem Museum vermittelt wurde.  

Brüssel selbst beeindruckte durch seine kulturelle Vielfalt, die Vielzahl an Sprachen und Menschen aus ganz Europa und darüber hinaus. Die Schülerinnen und Schüler haben Europa auf eine neue, greifbare Weise kennengelernt. Die Gespräche, Begegnungen und Orte haben ihnen gezeigt, dass Europa kein fertiges Gebilde ist, sondern ein gemeinsames Projekt, das jeden Tag weiterentwickelt wird – und bei dem jede und jeder mitwirken kann. 

Text: Leonie Rümcker, Seminarbegleitung der Gewinnergruppe 

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