Einmal nach Otzenhausen und zurück

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Im Europäischen Wettbewerb gibt es jedes Jahr tolle Reisepreise zu gewinnen. Lene hat mit ihrem Poetry Slam nicht nur die Auszeichnung „Beste Arbeit der Aufgabe“ erhalten, sondern auch einen Platz beim European Youth Gathering in der Europäischen Akademie Otzenhausen (04. – 09. Juli 2022). Hier erzählt sie von der Woche – und wie ihre Erwartungen übertroffen wurden.

Los ging das Europan Youth Gathering mit Kennenlernspielen im Garten der Europäischen Akademie Otzenhausen.

Als ich hörte, dass der Bundespreis für den Europäischen Wettbewerb bedeutete, eine Reise antreten zu dürfen, freute ich mich sehr. Denn ziemlich oft scheitern eigene Reise- und Urlaubsvorstellungen daran, dass die finanziellen Mittel begrenzt sind – insbesondere, wenn man noch relativ jung ist. Zugegebenermaßen verflog die Freude jedoch relativ schnell, als ich begriff, dass es sich bei Otzenhausen lediglich um ein Kaff im Norden des Saarlandes handelte. Um keine Erwartungen zu enttäuschen, ließ ich erst gar keine aufkommen, sondern wartete den vierten Juli und somit den Tag der Anreise ab.

Die Züge waren selbst an diesem Montagmorgen voll. Und dies schien keine Seltenheit zu sein, denn später sprachen alle Teilnehmer:innen von Menschenmassen in den Zügen und kaum freien Plätzen. Meine Reise begann morgens um halb sieben, als ich von Mecklenburg-Vorpommern aus losfuhr. Die Zugfahrt war relativ unspektakulär und mit nur einer Stunde Verspätung kam ich an der Zugstation Türkismühle an. Nach einer kurzen Taxifahrt erreichte ich das Gelände der Europäischen Akademie Otzenhausen und war überwältigt von dem Gebäude. Ich hatte zwar die Fotos und Rezensionen im Internet gesehen, doch der große Gebäudekomplex wirkte eher wie ein modernes Forschungsinstitut mit seinen vielen Glasfronten, runden Fassaden und weißen Wänden. Im Inneren sah es ähnlich aus. Alle Teilnehmer:innen hatten eher eine Jugendherberge mit Doppelstockbetten und braunen Linoleumböden erwartet. Die Zimmer in der europäischen Akademie jedoch waren sehr sauber, es gab Einzelbetten und eigene Bäder für jedes Zimmer.

Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man ganz allein bis ans andere Ende von Deutschland fährt, um siebzehn weitere vollkommen fremde Menschen zu treffen. Ich persönlich muss gestehen, dass ich Respekt vor dieser Woche hatte. Aber bereits am ersten Tag verflogen die vermeintlichen Zweifel an den übrigen Teilnehmer:innen. Nach ein paar durchaus herausfordernden Kennlernspielen gingen wir zusammen in das hauseigene Restaurant und verbrachten den Abend danach mit einem Billard- und Kickerturnier. Die Gruppe verstand sich gut, besser sogar, als wir uns das jemals hätten vorstellen können. Die restliche Woche verbrachten wir entweder in den Seminarräumen oder draußen auf dem weitläufigen Grundstück der Akademie. Wir spielten Spiele und lernten uns und das Thema „Nachhaltigkeit“ besser kennen. Tatsächlich schafften es Sophia und Johanna, die die Woche als Teamleiterinnen begleiteten, dieses sehr viel diskutierte Thema neu zu verpacken und spannend für alle zu gestalten. Außerdem besuchten wir die Stadt Saarbrücken und fanden dort den ein oder anderen Schatz in einer Tauschbibliothek nah der Schlossmauer. Neben der Stadtbesichtigung erlebten wir einen lustigen Nachmittag auf dem stadteigenen Bauernhof, wanderten quer durch den Nationalpark, recycelten Altpapier und bauten Insektenhotels sowie Vogelhäuschen. Die Abende wurden immer zusammen in dem Freizeitbereich verbracht, in dem neben einem Tischkicker auch eine Musikanlage und ein Beamer zur Verfügung standen. Letzterer wurde insbesondere am letzten Abend für eine ausgiebige Let’s Dance Session benutzt.

Am Tag der Abreise stellten wir morgens schon alle fest, wie komisch es doch war, jetzt nach Hause zu fahren bzw. zu fliegen. Wir hatten uns alle so sehr aneinander gewöhnt, dass es seltsam erschien, wieder in unser „eigentliches Leben“ zurückzukehren. Wir fuhren mit den Taxis erneut zur Bahnstation und nahmen Abschied von vielen unserer neuen Freunde. Mir persönlich sind besonders die Spaziergänge zum Rewe, die Abende im Freizeitbereich, die Werwolfspiele und das kurze Konzert von einer der Gruppen in Erinnerung geblieben.

Wenn ich an meine Erwartungen an diese Woche zurückdenke und mich erinnere, dass ich etwas geknickt war, dass es „nur“ nach Otzenhausen ging, so kann ich nur sagen, dass ich mehr als positiv überrascht war. Und ich denke, dass ich da nicht die Einzige bin…

Lene (7. von rechts, schwarzer Pulli) reiste ohne Erwartungen nach Otzenhausen – und zurück mit vielen neuen Erfahrungen, Freunden und Eindrücken.

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