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Jugendliche für Kulturerbe begeistern | EBD beim Europäischen Kulturerbegipfel

Wie kann Kulturerbevermittlung an junge Menschen funktionieren? Welche Wege eröffnet das digitale Zeitalter? Wen muss und sollte man erreichen und wie kommt man an die nicht ganz so „üblichen Verdächtigen“ ran?

Im Rahmen des Europäischen Kulturerbegipfels in Berlin  hat das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz mit dem Fachnetzwerk Kulturerbevermittlung zum Gipfelauftakt einen eintägigen Workshop organisiert und Multiplikatoren, aber auch Wissenschaftler und Museumskuratoren und Pädagogen eingeladen, den Fragen auf den Grund zu gehen.

Dass sich auch Jugendliche für Kulturerbe interessieren und das Thema durchaus kreativen Entfaltungsspielraum bietet, hat bereits die 65. Runde des Europäischen Wettbewerbs gezeigt, in der sich Kinder und Jugendliche mit dem Motto: „Denk mal – worauf baut Europa?“ auseinandergesetzt haben. Wie vielfältig die Beiträge sind, stellt ein Best-of-Video zusammen. Doch um Erfahrungen zu teilen und neue Ideen zur Jugend- und Europabildung zu erlangen, war die Europäische Bewegung Deutschland auch mit dem Europäischen Wettbewerb vor Ort und hat eine Werkstatt zur „Europäischen Kulturerbevermittlung über Grenzen hinweg“ angeleitet.

Den gemeinsamen Weg in den Tag ebnete Dr. Julien Chapuis, Leiter der Skulpturensammlung Berlin. In seinem Impulsvortrag „Why Art Education“ gab er seine Begeisterung für neue Ideen und das Konzept, in einem Museum verweilen zu können und einen Treffpunkt zu sehen, mit anschaulichen Beispielen weiter und appelliert für ein grundlegendes Umdenken in der Museumspädagogik. Dies sei aus seiner Sicht für die Zukunft unumgänglich.

Am Beispiel eines begehbaren Wasserturms veranschaulicht Prof. Dr. Andrea Richter von der Universität Augsburg, wie museumspädagogische Theorien in die Praxis umgesetzt werden können. „Unser Kulturerbe und seine pädagogische Vermittlung. Didaktische Herausforderungen durch eine heterogene Schülerschaft“ titelte ihr Vortrag und gab einige Impulse zur empfängergerichteten Kommunikation sowie Denkanstöße für die anschließenden Diskussionen und Themenwerkstätten.

Gemeinsam mit Nicoletta Flora, Referentin im Fachbereich Welterbe der Deutschen UNESCO-Kommission, leitete Mareen Hirschnitz, Projektmanagerin der Europäischen Wettbewerbs bei der Europäischen Bewegung Deutschland, den englischsprachigen Workshop zur grenzüberschreitenden Kulturerbevermittlung an. Nach einer kurzen Kennlernrunde, wurde zunächst Fokus auf die Europäischen Fördermöglichkeiten gelegt, die, so die Workshop-Teilnehmenden, leider immer noch zu unbekannt seien.

Welche Möglichkeiten sich ganz konkret bei der Kulturerbevermittlung bieten – egal ob es sich um materielles oder immaterielles Kulturerbe handelt – erfuhren die Teilnehmenden durch einen engagierten Impuls eines erfolgreichen eTwinners: Steffen Kraft, Lehrer an der Comenius-Schule Herborn, erläuterte am Beispiel „seines“ Projekts „Von Göttern und Heroen“, wie die Kulturerbevermittlung an Schulen grenzüberschreitend stattfinden kann – und Jugendliche zweier Nationen Spaß dran finden. Ob über Blogeinträge, selbsterstellte Quizz, das Hineinschlüpfen der Jugendlichen in „göttliche Rollen“ oder gar die gemeinsame Entwicklung eines Filmes – das Online-Portal bildet einen geschützten Raum für die Kinder und Jugendlichen und bietet darüber hinaus technische Tools an, um das gewünschte Projekt auch entsprechend ausgestalten zu können.

Im Anschluss daran, waren alle gefragt. Die Teilnehmenden setzten sich in einem World Café mit Herausforderungen, Chancen und Lösungsansätzen für eine erfolgreiche Kulturerbevermittlung auseinander. Dabei wurden insbesondere praktische Fragen, wie ist beispielsweise mit Altersrestriktionen und Betreuungsschlüssel bei Auslandsaufenthalten der jungen Zielgruppe sowie geltende Einreisebestimmungen, diskutiert. Dass ein Auslandaufenthalt oder auch die Engagement bei Freiwilligentätigkeit nachhaltig positiven Einfluss auf den eigenen Lebensweg und das Erlernen neuer Fähigkeiten haben und das Interesse am Austausch nicht schmälern sondern bestärken wird, wurde dabei einhellig festgestellt.

Was die europäische Erbevermittlung umfasst und wie auch mit schwierigen Erbe umzugehen ist, waren weitere Fragen, mit denen sich die Teilnehmenden auseinander setzten. Miteinander und nicht nur übereinander reden sowie gegenseitiger Respekt wurden dabei als Grundvoraussetzungen festgehalten. Unterschiedliche Wahrnehmungen zuzulassen, zu erlauben und offen anzusprechen, dienen dem Austausch und bergen eine große Chance, um Ängste zu überwinden und sich selbst und seine ganz eigene Geschichte zu reflektieren.

Viele Projekte der Workshop-Teilnehmenden haben darüber hinaus gezeigt, dass sie besonders erfolgreich waren, wenn Jugendliche Verantwortung übernehmen „Make it their project“. Während der finanzielle Rahmen als Hürde erachtet wurde, wurden die neuen Medien als wichtiges Instrument wahrgenommen, um digital territoriale Grenzen zu überwinden und gegebenenfalls Kosten zu mindern, indem freie Online-Portale nutzbar sind und als Möglichkeit, eine neue Zielgruppe zu erreichen.

Doch was bedeutet Kulturerbe und grenzüberschreitende Vermittlungsarbeit für jeden persönlich? Welche Bilder löst dies im Kopf aus? Was fällt einem zuerst ein? Diesen Fragen stellten die Workshop-Teilnehmenden in der Abschlussrunde – aus einem umfassenden Bilderfundus zu materiellem aber auch immateriellen Kulturerbe, plakativen Darstellungen und einigen Redewendungen, suchten die Teilnehmenden jene Bilder aus, die am ehesten mit ihrer Vision übereinstimmen.

Dabei wurde klar: grenzüberschreitende Vermittlungsarbeit bedarf guter Kommunikation und schafft es, Türen zu öffnen – nicht nur wird der eigene Horizont erweitertet, sondern auch neue Zugänge erschaffen werden.

Die weiteren Themenwerkstätten wurden ebenfalls vom Fachnetzwerk für Kulturerbe inhaltlich aufbereitet und moderiert. Erwartungsgemäß ereilte den Workshop #DenkmalDigital, angeleitet von Martin Rulsch, Wikimedia Deutschland e.V. und Stephanie Reiterer, Architektur und Schule e.V., der größte Zulauf. Moderiert von Dr. Susanne Braun, Deutsche Stiftung Denkmalschutz und Dr. Irene Plein, Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, stellten die Teilnehmenden der Themenwerkstatt „Vermitteln und Lernen am Denkmal“ nebst Zukunftsvisionen auch einen Forderungskatalog an die politische Ebene zur Umsetzung der Visionen vor. „Kennen wir uns? Kooperation zwischen Schule und Kultur?“ lautete die Leitfrage der vierten Themenwerkstatt, die Christiane Florack und Michaela Schlagenwerth von der Deutschen Kinder – und Jugendstiftung moderiert und dem Plenum vorgestellt wurde.

Den Programmablauf finden Sie hier.