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Stimme des EW | Pauline erforscht echte Handwerkskunst

Foto: Pauline Schwabe

Pauline Schwabe vom Gymnasium „Fridericianum“ in Rudolstadt (Thüringen) hat ihre Arbeit für den Europäischen Wettbewerb einem besonderen und seltenen Beruf gewidmet: dem Buchbinder. Die Bundesjury hat ihr in diesem Jahr dafür die Auszeichnung als beste Arbeit des Themas zuerkannt. Hier erzählt uns Pauline, wie sie auf die Idee kam, ihren Text zu schreiben.

„Als ich klein war…

… erzählte mir mein Opa oft von seinen alten Schulfreunden. Immer mal wieder kam dabei das Gespräch auf Herrn Bodinus, der in unserer kleinen Stadt als Buchbinder tätig ist. Manchmal gingen wir auch gemeinsam in seinen kleinen Laden und ich schaute ihm ganz gespannt dabei zu, wie er die kaputten Bücher sorgsam reparierte. Die Idee, den Buchbinder als aussterbenden Beruf zu wählen, kam mir sehr spontan. Ich saß abends mit meiner Familie auf dem Sofa, als Opa wieder von Herrn Bodinus erzählte. Sofort wusste ich, dass das mein Thema für den Wettbewerb sein wird. Gesagt, getan!

In den Herbstferien führte ich mit Herrn Bodinus ein Interview, sah mich diesmal noch genauer in seiner Werkstatt um und machte dabei viele Fotos. Abend für Abend schrieb ich meine Notizen langsam zu einem Text zusammen und hatte dabei immer tatkräftige Unterstützung von meiner Familie.

In meinem Text war es mir sehr wichtig, nicht nur meine eigene Meinung mit einzubringen, sondern auch die von Herrn Bodinus, dem dieser Bericht sozusagen gewidmet ist. Zudem wollte ich ansprechen, dass die Digitalisierung viele Berufe zerstört und aussterben lässt. Bücher werden nicht mehr gebraucht. Alles kann man im Internet nachlesen oder Bücher digitalisiert lesen. Herr Bodinus konnte aus vielen eigenen Erfahrungen berichten. Wenige Leute kommen noch zu ihm um Bücher reparieren zu lassen, denn es kostet Geld und dauert länger als einen Knopfdruck im Internet. Handarbeit braucht seine Zeit. In meinem Alltag fällt mir immer öfter auf, dass fast alle junge Menschen studieren wollen und viele einen handwerklichen Beruf überhaupt nicht in Erwägung ziehen, was ich sehr bedauerlich finde. Denn diese Berufe sind wichtig für unser Leben. Wir kaufen alles nur noch auf Masse, nicht mehr auf Originalität. Man sieht einfach nicht mehr, dass selbstgemachte handwerkliche Sachen oft mit sehr viel Liebe und Sorgfalt hergestellt wurden. Das Problem ist, dass wir in einer schnellen Welt bzw. Zeit leben und dabei völlig vergessen, dass Handarbeit länger dauert, dafür aber nachhaltig viele Erinnerungen mit sich bringt. Denn genau das habe ich aus meiner Arbeit gelernt. Ich hoffe, dass wir dies in Zukunft ein wenig wieder ändern können und mehr Gewicht auf die Handwerkskunst und das Handwerk legen. Es ist wichtig und notwendig für unser Leben, auch wenn wir es viel zu oft außer Acht lassen und es nicht bewusst mitbekommen.“